Törnbericht Griechenland
Vorwort
Man sollte schon wissen von wem die Törnberichte stammen, da doch viel subjektive Betrachtungsweise einfließt. Unter der Rubrik
Wir über uns findet man da einiges.
Es wurden schon viele Törnberichte über: Segeln in griechischen Gewässern; verfasst, doch meist von Leuten die einen oder günstigsten Falls ein paar ein- oder zweiwöchige Urlaubstörns gemacht haben und dabei eher die Standartrouten, wie in den Seehandbüchern beschrieben, abgefahren haben. Unsere Törnberichte basieren auf 30 Jahren teils ganzjährigem herumsegeln in Griechenland , privat, oder als Skipper mit zahlenden Gästen. Umso objektiv wie möglich zu sein fließt viel von der Betrachtungsweise und der Erinnerung meiner Gäste in die Berichte ein.
Im Folgenden sollen Anregungen gegeben werden eines der letzten seglerischen Paradiese im Mittelmeer zu erkunden und zu genießen. Warum Paradies ? Nun, deshalb weil die um sich greifende Abzocke der Segler hier noch wenig bis überhaupt nicht stattfindet. Gut 80% aller Häfen erheben keine oder lächerlich kleine Gebühren. Natürlich gibt es da auch keine WC oder Duschen. Wasser , Strom oder Treibstoff ist meist gegen kleines Geld vorhanden. zB: Plataria: 24 h liegen= 3 EUR Wasser = 3 EUR Srom= 3 EUR also 9 EUR voll versorgt. Private Marinas können natürlich so viel verlangen wie sie bekommen können, aber davon gibt es recht wenige, aber überall gibt es kommunale Häfen.
In den letzten 30 Jahren hat sich das Bild des Segelspots völlig gewandelt. Was früher als elitär galt, ist heute ein eher günstiger Teil des Massentourismus geworden. Flotillensegeln ermöglicht auch nautischen Laien mit einer Yacht durch die Gegend zu skippern. Yachten werden als wahre Raumwunder konstruiert, nur auf den Charterbetrieb zugeschnitten. Positiv daran ist, dass damit für viele der Segelsport möglich gemacht wird. Aber leider findet man immer häufiger Crews und Skipper die doch besser mit einem Wohnwagen zurechtkommen würden. Immer mehr werden seglerische Tugenden wie Höflichkeit und Hilfsbereitschaft durch Egoismus, Sturheit, Unfähigkeit und «Geiz ist geil» ersetzt.
Die Törns die ich beschreiben werde, meiden, wann immer es möglich ist, die gängigen Routen, Buchten und Häfen.
Einwöchiger Törn ab an Korfu : Start 15. Mai, Yacht: Micado, 6 Gäste
Ich komme gerade aus
Sivota, meinem Heimathafen, den wir später noch besuchen werden, und ankere in
Marina NAUK in Korfu, wo ich meine Gäste für die nächste Woche abholen will. Wenn ich bis 16:00 h wieder weg bin muss ich nichts bezahlen. Das geht sich auch aus, da die Letzten um 13:30h an Bord kommen.
So, Alle sind gut angekommen, die wichtigsten Dinge sind erklärt insbesondere die Sicherheitsausrüstung. Anker auf und mit NW Wind 3-4 etwas böig ( klar, unter Land) geht´s 14 sm südwärts nach
Petriti dem letzten echten Fischerhafen in Korfu. Man braucht etwas Glück um hier einen Platz an der Mole zu finden , aber zur Not kann man gut vor dem Hafen ankern. 60% des Hafens sind mit Fischerbooten belegt . Tatsächlich, alles dicht. Die großen Fischerboote an der Stirnseite werden heute nicht auslaufen da es Vollmond hat und da sie mit Lampen fischen, ist der Mond eine zu große Konkurrenz . Ich frage einen der Fischer ob wir längs gehen können: Kein Problem und er nimmt unsere Leinen entgegen. Das ist nun gar nicht mehr so selbstverständlich, da oft weder gefragt wird, noch zu einem vorher verabredetem Zeitpunkt, wo der Fischer auslaufen will, die Yacht Crew an Bord war. Ab 22 h können wir seinen Stromanschluss haben sagt er, finden wir gut und fragen was wir bezahlen müssen. Er lacht und winkt ab. Zum Essen gehen wir zu Jannis, jeder Zweite heißt hier Jannis oder Spiro. Fisch, wenn nicht hier wo dann. Vorspeise, Fisch und Wein 15€ / Per. Das ist OK. In Paxos wird´s sicher das Doppelte. Sonntagmorgen, ob das einzige Geschäft wohl geöffnet hat? Klar, und frisches Brot gibt’s auch. Gegen 10 h legen wir ab und mit Motor rüber zum Festland in eine der Buchten von
Sivota zum baden. Wind wird erst am Nachmittag kommen bis dahin schwimmen , schnorcheln, faulenzen. Ganz kleine Bucht, passt eigentlich nur ein Schlauchboot rein. Vorne Felsen hinten Sandstrand. Anker weit vorne rein und vorsichtig rückwärts zwischen den Felsen durch, beherzter Sprung mit Landleine achtern raus, schnell zu einem Felsen geschwommen festgemacht, straffgezogen . Hier passt jetzt nur noch ein Kanu vorbei, diese Bucht ist jetzt für uns. Um 14 h kommt Wind auf, SW anstatt dem erwarteten NW, also nicht nach Longos auf Paxos. Programm Änderung: unter Spi nach
Ligia.
Ligia ist schon etwas speziell, und der Hafen kann nur bei ruhigem Wetter angelaufen werden. Bei etwas stärkerem Wind aus SO-S-SW steht richtig Brandung in der Hafeneinfahrt. Es liegen einige Fischerboote an der Mole, wir sind die einzige Yacht. In der einzigen Taverne bekommen wir den Schlüssel für Wasser und Strom. Gut und preiswert gegessen.
Am nächsten Morgen Flaute, wir motoren Richtung
Parga ( NW ) und ankern in der
two rock bay. Guter sicherer Ankerplatz , nur nach SO uns S offen, mit Sandstrand und schön zum schnorcheln. Am Nachmittag, immer noch kein Wind, motoren wir nach
Armoudia. Grosse Sandbucht nach S offen und viele“ Wild Champer“. Hier mündet der Aheron. Man kann ca 1km den Fluss hoch fahren. Völlig neues Gefühl, rechts Schilf, und links am befestigten Ufer festgemachte Boote, dahinter eine Taverne nach der anderen. Nach ca. 1 km kommt der Holzsteg von Uwe. Der hat den vor Jahren mal gebaut und jetzt liegen da einige Dauerlieger und ein paar Freunde von Uwe. Ein paar von den Dauerliegern warten anscheinend auf´s Sterben. Das erkennt man daran wenn die Boote ihren Eignern immer ähnlicher werden. Wir können an Uwes Yacht längseits gehen, das machen wir auch unter den kritischen und teilweise : was wollen die denn da Blicken. Mit Uwe lokale Neuigkeiten ausgetauscht sehr gut und preiswert gegessen. Autan, besser noch Anti-Brumm kam reichlich zum Einsatz.
Lange geschlafen, gut gefrühstückt wollen wir aufbrechen. Der Wetterbericht sagt für den Nachmittag 4-5 NW. Das passt gut für
Paxos. Zum Wenden im Fluss muss ich mit dem Heck ganz an den Steg, weil die Mikado langer ist als der Aheron breit. Mürrisch wird unserem Bitten um etwas Platz nachgegeben und ein Boot etwas verhohlt. Unter dem Hinweis was wir wieder für einen Stress machen wird das Tagewerk beendet und wir haben unsere Lücke zum Wenden. Achtern festgebunden lassen wir den Bug von der Strömung Flussabwärts drehen, der Bug schrabbt etwas durch das Schilf, Leinen los, wir sind rum etwas Gas und auf geht’s. Ruhe am Steg kann wieder einkehren. Wir ankern noch in einer schönen Badebucht 2 sm östlich von
Parga dann gegen 15:00h kommt der versprochene Wind tatsächlich und es wird ein ganz toller Segeltörn nach
Paxos. Wir entschließen uns nach
Gaios dem Hauptort der Insel zu gehen der obwohl sehr touristisch, einen richtig schönen Hafen hat. Sollte man gesehen haben. Natürlich sind alle Plätze belegt. So machen wir mit Heckleine an der dem Hafen vorgelagerten Insel fest und setzen mit dem Dingi über. Da die Restaurants hier teuer und nicht so toll sind (die Insel wird von Engländern dominiert) kochen wir am Bord und gehen nachher noch auf einen Cocktail.
Am nächsten Morgen geht’s früh los da wir in einer Bucht frühstücken wollen um dann auch gleich schwimmen und schnorcheln zu können. Also um 7 h los und der Anker fällt eine Stunde später in einer einsamen Bucht auf
Anti-Paxos. Da es heute den selben Wind wie gestern geben soll werden wir diese Bucht gegen Mittag verlassen müssen. Das Wasser ist ganz toll hier und 4von uns wollen mit Flaschen tauchen. Also Kompressor starten Flaschen füllen , und ab. Schöner Tauchgang, wenig Fisch aber ganz beeindruckende Unter- wasserlandschaft. Um 14 h kommt der Wind der uns aus der schönen Bucht vertreibt und wir kreuzen an der Ostküste von Paxos nach NW bis nach
Longos.
Longos hat keinen richtigen Hafen, nur ein Stück Mole an der man außen vor Anker mit Heckleine festmachen kann. Ganz hübscher kleiner Ort. Hier gib es das beste Brot Griechenlands. Unbedingt die Backstube besuchen! Nach dem besten Brot, zu den besten Schrimps. Langer Segelschlag nach
Sagiada, einem kleinen Ort nahe der albanischen Grenze. Bei Aleko gibt es ganzjährig frische Schrimps. Und die sind wirklich toll zubereitet und sensationell preisgünstig. Der Hafen ist sehr klein und flach. Früher kam man kaum zu Einfahrt rein, sehr schmal. Jetzt haben sie die breiter gemacht, aber das abgehauene Mauerwerk in der Einfahrt versenkt, jetzt ist sie zu seicht. Eine für Griechenland symtomatische Arbeitsfolge. Aber man kann gut außen an der Hafenmauer festmachen und es gibt Wasser.
So, der letzte Tag der Woche ist angebrochen und meine Chrew versteht nun warum ich gesagt hatte das eine Woche wirklich ganz schön schnell vorüber geht. Mit Motor geht’s in die
Valto Bucht nördlich
Igoumenitsa zum baden und mit dem aufkommenden Wind dann nach Marina NAUK auf Korfu.
Von Korfu nach Athen via Kanal von Korinth: 7 Tage
